Stephan Romhart über Technik, Kultur und Philosophie

Kultur

Dragon Age: Inquisition – Warum ich von Bioware mehr als enttäuscht bin

Stephan 0

Ein Computerspiel begeistert mich, wenn es mich entführt. Wenn ich darin versinken kann. Genre, Grafik, Sound und Bedienkonzepte sind nicht von Bedeutung, wenn ein Spiel funktioniert. Sie können dazu beitragen, ein Spiel zu verbessern, mehr aber nicht

Inhalt

Ein verheerendes Ereignis stürzt die Welt von Thedas ins Chaos. Drachen verdunkeln den Himmel und werfen einen Schatten des Schreckens auf ein einst friedliches Reich. Magier entfesseln einen vernichtenden Krieg gegen die Templer, um sich von ihrer Unterdrückung zu befreien. Nationen erheben sich gegeneinander. Es liegt bei dir und deiner Gruppe legendärer Helden, die Ordnung wiederherzustellen, indem ihr die Inquisition anführt und die Kräfte des Chaos zur Strecke bringt. Beziehungen werden entstehen – und einige auch zerbrechen –, während dein Feldzug auf der Suche nach der Wahrheit seinen Preis fordert.

Kritik

DRAGON AGE: ORIGINS von 2009 habe ich geliebt. Es erzählt eine Geschichte die interessant ist, überzeugt mit guten Charakteren und ich bin am PC, mit Maus und Tastatur, hervorragend mit der Steuerung zurecht gekommen. Ich habe DRAGON AGE: ORIGINS zwei mal durchgespielt. Es bietet verschiedene Ausgangssituationen an, die sich auch unterschiedlich spielen. Über 100 Stunden habe ich mit DRAGON AGE: ORIGINS verbracht, und sie sind verflogen wie Minuten. Nach drei Stunden DRAGON AGE: INQUISITION auf der Xbox One habe ich aufgegeben, weil ich mit der Controller-Steuerung nicht zurecht gekommen bin. Daraufhin habe ich die PC-Version gekauft, in der Hoffnung, dass ich hier besser klar komme. Nach weiteren zehn Stunden auf dem PC habe ich es wieder deinstalliert. BioWare hat es in 13 Stunden nicht geschafft, mich bei der Stange zu halten. Das Spiel war mir einfach scheißegal. Ich glaube, das ist das Schlimmste, was einem Computerspiel passieren kann.

Ich dachte ich bin der Inquisitor, der Retter von Theads. Und dann soll ich ernsthaft zehn Widder erlegen. Oder noch spannender: „Aktiviert alle Lager der Inquisition in den Hinterlanden“. Ich laufe also einem Marker auf der Karte nach und klicke, am Ziel angekommen, auf eine virtuelle virtuelle Markierung, um ein Lager zu „aktivieren“. Spannend. Dann gibt es so eine Art „U-Boot-Sonar-Modus“, damit Questgegenstände in meiner näheren Umgebung gelb hervorgehoben werden. Was soll das? Wenn es bei Quests zu Dialogen kommt, sind das großteils keine Cutscene-Dialoge wie zum Beispiel in MASS EFFECT 2. Nein. In der Spielwelt macht jemand emotionslos den Mund auf und zu. Kein Gestikulieren. Keine Emotion. Bla.
Außerdem frage ich mich ernsthaft, wer mit der Kampfsteuerung auch nur ansatzweise taktisch vorgehen soll. Es ist eine Action-Steuerung – ich bin beinahe wahnsinnig geworden. Eine Taktikansicht gibt es auch, die hat aber nicht mal im Entferntesten so gut funktioniert wie in DRAGON AGE: ORIGINS und ehrlich gesagt habe ich sie bei DRAGON AGE: INQUISITION auch nicht gebraucht. Oft reicht es mit einem Charakter auf die Gegner voll draufzuhalten. Den Rest machen meine KI-Begleiter. Es gibt übrigens keine Heilzauber mehr, was wieder weniger taktische Tiefe bedeutet. Ich brauche also keinen Heiler mehr, der auf seinen Mana-Haushalt achten muss. Die einzige Möglichkeit während eines Kampfes Lebensenergie aufzustocken sind wohl Heiltränke. Die kann man nur in sogenannten Lagern oder Shops auffüllen. Das führt dazu, dass ich viel reisen muss, da man anfangs nur acht Tränke mitnehmen kann. Die Kämpfe sind ein buntes Durcheinander, das halt schön inszeniert ist. Ein Erfolgsgefühl hat sich bei gewonnen Kämpfen nicht eingestellt.

Mit den Talentbäumen habe ich kein Problem gehabt. Ausser, dass neu erlernte Fähigkeiten kaum spürbare Auswirkungen in den Kämpfen hatten. Die Weltkarte ist umständlich zu bedienen, die Menüs für Inventar und Crafting sind nicht intuitiv und absolut anstrengend.
Ich nehme an, es war eine wirtschaftliche Entscheidung von BioWare, DRAGON AGE: INQUISITION so zu positionieren, wie es nun auf den Markt gekommen ist: Schöne Grafik, gute Musik, aber dümmliche und emotionslose Quests, keine krassen Konsequenzen bei Entscheidungen, keine Immersion. Es fühlt sich für mich an wie ein „Dragon’s Creed: Black Inquisition“ oder „Assassin’s Age: Origins“. Keine Seele, abgestimmt auf den Massenmarkt. Einfach niemandem auf die Füße treten. Es werden bestimmt mehrere Millionen Einheiten verkauft. Finanziell gesehen ist das Spiel also hervorragend.

Mein Fazit

DRAGON AGE: INQUISITION ist kein Rollenspiel. Es ist eine Ansammlung von Open-World-Spielelementen, die in der gewünschten kaufkräftigen Zielgruppe gut ankommen. Dumpfe Unterhaltung. Wer ASSASSIN’S CREED oder MITTELERDE: MORDORS SCHATTEN gerne gespielt hat, kann zugreifen. Für Spieler, die es bewusst oberflächlich wollen, perfekt. Ich habe mich während des ganzen Spielens gefragt, warum ich das mache. Parallel habe ich wieder MASS EFFECT 2 installiert, und obwohl ich die Geschichte schon kenne und trotz seiner Macken, macht es einfach viel mehr Spaß. Verdammt BioWare, wie konntet Ihr mir das nur antun!

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