Stephan Romhart über Technik, Kultur und Philosophie

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Impulse-Tracker – Ein Mehrspur-Sequenzer für digitalen Klang

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Als Speichermengen bei Computern noch ein Thema war, mussten sich die Programmierer etwas einfallen lassen, um bei den ganzen Spielen, die auf eine oder mehreren Disketten passten, platzsparend gute und abwechslungsreiche Hintergrundmusik einzubauen. Die Idee war es, Musik über Sequenztabellen zu definieren. Die Instrumente waren Samples, die durch ein Pitchshifting eine Tonart simulieren konnten. Ich habe über 8 Jahre mit dem Programm "Impulse Tracker (Dos)" und seinem Nachfolger "Schismtracker (Dos)" diverse Songs geschrieben.

Was mich damals begeisterte, war die für mich damals völlig freie Herangehensweise, Musik zu machen. Als Impluse Tracker Ende 1995 rauskam, war Audio, so wie man es heute kennt (DAWs, Interfaces, etc...) nicht denkbar. Zumindest nicht mit einem vertretbaren Budget. Klar, die Klangqualität und die Möglichkeit, Klänge nachzubessern, waren sehr gering. Aber ich glaube, diese technische Beschränkung war es, was mich gereizt hat, trotz Abitur Stunden mit dem Programm zu verbringen.

Schismtracker wurde dann später für diverse Plattformen umgesetzt:
Linux, Mac OS X, Windows, FreeBSD, AmigaOS, BeOS, Wii.

Ein paar Stücke, die ich zusammen mit Michi Dangelmayer im Tracker gebaut habe

Übrigens, ich liebte es, dass das Programm beinahe keine Mausbefehle benötigte, alles wurde per Shortcuts gemacht. Es gab unzählige Shortcuts: z. B. "F5" war "Play", "F8" war "Stop". "Numpad +" und "Numpad -" im Pattern-Editor war nächster bzw. vorheriger Pattern.

Schismtracker: Startbildschirm
Schismtracker: Pattern Editor

Der Pattern Editor ermöglichte ein bearbeiten der einzelnen Liedbestandteile. Standardmäßig waren pro Pattern vier Vierviertel-Takte vorgesehen, die gefüllt werden konnten.

Schismtracker: Sample Editor

Im Sample Editor können globale Einstellungen wie "Volume" und "Waveform" eingestellt werden.

Schismtracker: Instrument Editor

Der Instrument Editor war ein Highlight. Man konnte mit einem Instrument ein Sample so konfigurieren, dass es weiterklang, obwohl es im selben Kanal war. Als Beispiel ein Piano-Sample: wenn der Sequenzer nacheinander vier Achtel spielt (C, E, G, C), klingt das gepichtshiftete Sample ineinander. Ähnlich, wie bei einem Keyboard.

Schismtracker: Pattern Order List

In der "Pattern Order List" konnten dann alle Patterns organisiert und arrangiert werden.

Schismtracker: Track Settings

Youtube-Video: Oberfläche und Funktionen von Schismtracker

Zum Abschluss noch ein etwas ausführlicheres Schismtracker-Tutorial-Video auf Youtube. Ich kann nur empfehlen, einen Tracker einmal selbst auszuprobieren. In der heutigen Zeit von LTE und Internet-Flatrates, wo Dateigröße keine Rolle spielt, stimmt es mich nachdenklich zu sehen, mit wie wenig Kilobytes damals ein komplettes Lied erstellt werden konnte. Damit man sich das vorstellen kann: das Lied "Lost in Time" aus meiner Liste oben hat eine Dateigröße von 178 kb. An vielen Tagen des Jahres hat allein das animierte oder gestaltete Google-Logo auf google.com eine deutlich größere Dateigröße als ein 3-Minuten-30-Sekunden-Tracker-Song.

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