Stephan Romhart über Technik, Kultur und Philosophie

Technik

Manuelles De-Essing – Zischlaute entfernen mit Cubase 8.5 Pro

Stephan 0

Beim Aufnehmen meines ersten Solo-Albums hatte ich große Probleme mit den Zischlauten meiner Vocals. Zum Teil, weil ich etwas lisple, zum Teil, weil ich beim Mikrofonieren Fehler gemacht habe. Es ging mir darum, das Beste aus den Aufnahmen rauszuholen. Ich habe mich durch mehrere Foren und Tutorialseiten gelesen und probierte viel aus.

Der erste Versuch: ein De-Esser-Plugin

Es ist naheliegend, im ersten Schritt auf ein Plugin zu kommen. Das wäre auch eine bequeme Lösung. Plugin anwenden, etwas einstellen, fertig. Da gibt es einige Anbieter. Ich hatte mich für den Waves De-Esser entschieden.

Das Problem der De-Essing-Plugins ist, meiner Meinung nach, dass sie halt nicht individuell genug sind. Hatte ich den De-Esser so eingestellt, das auch die krassen Zischlaute ok waren, kamen die leichten Zischlaute etwas beschnitten rüber. Beim Waves-De-Esser kann man einen Split-Modus einstellen, wo er wirklich nur in dem definierten Frequenzbereich arbeitet, den man auch festlegt. Der Alternativ-Modus "Wide" verändert hingegen das komplette Klangbild, was mir nicht gefallen hat. Der Split-Modus war also schon ein Anfang, aber ich war einfach nicht zufrieden mit dem Ergebnis.

Versuch Nummer 2: Volume Automation

Da ich im Projekt so gut wie alles automatisiert habe, entschloss ich mich, von Hand alle Zischlaute per Lautstärke-Automation abzudämpfen oder bei den Background-Vocals komplett zu muten. Man kann großteils schon an der Wave-Form erkennen, was ein "F", ein "S" usw ist. Nach ein paar Stunden sieht man meistens schon, wo es brennt. Am Ende des Artikels habe ich ein paar Screenshots gelistet, die die einzelnen Zischlaute zeigen.

Das De-Essing hat auch ziemlich gut geklappt, es gab jedoch einige Stellen, an denen mir vor allem die S- und Sch-Laute noch zu präsent waren. Und wenn ich diese Stellen weiter leiser gemacht habe, kamen die S-Laute wie ein lispelndes "F" rüber. Ich habe da wochenlang drangesessen, nur um dann festzustellen: So funktioniert das nicht. Ich habe es nicht geschafft, jeden Zischlaut so zu entschärfen, dass er angenehm klingt und gleichzeitig nicht wie ein "F" rüberkommt.

Jetzt aber 3: Event-Hüllkurven

Das fällt unter die Kategorie: "Wenn man das Manual gelesen hätte,...". Ich zitiere Steinberg: "Event-Hüllkurven sind Lautstärkekurven für Audio-Events. Mit ihrer Hilfe können Sie Lautstärkeänderungen nicht nur am Anfang bzw. am Ende, sondern auch innerhalb eines Events einfügen.
Auf den Event-Hüllkurven können Sie Lautstärkeänderungen vornehmen, indem Sie mit dem Stift-Werkzeug Kurvenpunkte hinzufügen."

So weit, so gut. Aber warum sollte das jetzt besser bzw. anders sein, als die Volume Automation? Ich hatte in einem Blog gelesen, dass Cubase die Lautstärkeveränderung vor den Inserts macht. Das bedeutet, dass wenn ich ein "S" oder ein "Sch" hier absenke, das leisere "S" z.B. beim Kompressor ankommt und das ganze Signal anders, in diesem Fall hörbar besser, verarbeitet.

Wenn man in Cubase einen Audio-Clip angeklickt hat und per Rechtsklick das Werkzeugmenü offnet, kann man den Stift auswählen. Mit dem Stift kann nun in der Hüllkurve Punkte setzen und so die Lautstärke von einzelnen Parts angleichen.

Jetzt endlich war ich zufrieden, mit dem was ich höre. Um die Vocals noch etwas abzurunden, habe ich noch ganz leicht den Waves-De-Esser auf die per Hüllkurve angepasste Vocals-Spuren gelegt. Am Ende des Artikels verlinke ich noch ein paar Tutorials zum Thema De-Esser-Plugin.

Zischlaute anhand der Waveform erkennen

Zischlaut "ch"
Zischlaut "S"
Zischlaut "Sch"
Zischlaute "v" und "z"

Wenn ich eine Technik zum De-Essing übersehen habe, oder aber meine Vorgehensweise totaler Mist ist, oder ich Dir weiterhelfen konnte, dann schreib mir. Ich freu mich auf Feedback.

Weiterführende Links